Krakau 2012

 

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Smingus Dyngus!


Eine Woche voller Unterricht und ein verlängertes Wochenende liegt hinter mir. Die Vorbereitung für die Stunden, die ich halten sollte, kannte ich ja von der Uni. Stundenziel, Durchführung und Ergebnissicherung wollen sorgfältig vorbereitet sein. Zumindest in der Theorie. Kein Lehrer, der sein Referendariat beendet hat, macht das. Aber eine Dreiviertelstunde zu füllen, ist schwieriger als man denkt. Von der Lehrerin hatte ich zwar Thema und Material zur Verfügung gestellt bekommen, was schon mal die halbe Miete ist, aber trotzdem brauchte ich meinen Spickzettel. Eine Schwierigkeit besteht zum Beispiel darin, ein nachvollziehbares Tafelbild zu erstellen. Einfach drauf los schmieren geht zwar auch, aber davon haben die Schüler nicht so viel.

Also versuchte ich, in ein relativ motivierendes Thema, nämlich Geschenke und Feiertage, ein bisschen Grammatik zu verstecken. Außerdem konzentrierte ich mich auf die Aussprache. Manche Schüler sind schon ganz gut, aber manche hören sich an wie ein intergalaktischer Klingonenkrieger. Die Pünktchen über den Umlauten sagen "Lippen so lassen wie sie sind, und einfach die Zunge nach vorne schieben!" Haha, ich stelle mir grad vor wie ihr das alle ausprobiert! Aber das haben wir in zwei Semestern Phonetik auch gemacht. Zwischen Lautschrift und Akustiktheorie liegt irgendwo die Wissenschaft der Geräuschbildung im Vokaltrakt. Äh, spannend.
Auf jeden Fall ist es ganz lustig, den Schülern ihre Kenntnisse zu entlocken und sie zum Sprechen zu animieren. Meine Messlatte ist ganz einfach: Verstehe ich sie, ist das in Ordnung. Wenn nicht (oder wenn ich entscheide, sie nicht zu verstehen), stelle ich blöde Fragen. Du sortierst Mull? Im Verbandskasten?

Die freien Tage hab ich für autodidaktische Polnischlektionen genutzt und konnte meinen Studiums- und Arbeitsplan machen. Mir fehlt irgendwo ein Seminar in den sechs Semestern. Ich sollte noch herausfinden, warum und welches das ist. Und zusehen, dass ich es nachbelege.
Samstag war es etwas nieselig, aber ich packte meine Laufsachen und startete mal in die andere Richtung. Wollte mal den Hügel westlich von der Stadt rauf, auf dem ein Hügel gebaut wurde. Diese Hügelhügel hab ich zwar immer noch nicht verstanden, aber ne super Aussicht muss man da oben wohl haben. Ich versuche morgen nochmal mein Glück, denn das kostete einen kleinen Obolus Eintritt, aber ich hatte in meiner neu erworbenen Laufjacke natürlich kein Geld. Am Ostersonntag wollte ich eigentlich in die Kirche gehen und mir eine Osterprozession anschauen, denn Ostern ist hier das größte Fest, wichtiger als Weihnachten. Obwohl es, wie in Deutschland, das Weihnachtsfest ist, das die Familie für ein paar besinnliche Tage zusammenführt. Wenn es nicht von Geschäften dazu genutzt wird, "Last Christmas" von Wham in Dauerschleife zu spielen. Auf jeden Fall hat es bei wenigen Grad über Null geregnet, und da hab ich mich gegen das Verlassen des Hostels entschieden. Nachmittags kühlte es wohl noch ein bisschen weiter ab, denn es fielen für über eine Stunde riesige Schneeflocken. Heute allerdings war die Sonne wieder an der Reihe; Zwar hat das Wetter die 10 Grad-Grenze nicht überschritten, aber den ganzen Tag war kein Wölkchen am Himmel. Also raus aus der Bude! Dabei hatte ich meine Wasserpistole vergessen - heute ist nämlich Smingus Dyngus, eine alte polnische Tradition, bei der Mädchen nass gemacht werden. Den Ursprung hat das im Taufen und Weihen, und der Gentleman macht das mit ein paar Spritzern Parfum, der Durchschnittsmann mit einer kleinen Wasserpistole und die Jugend mit Eimern, Wasserflaschen, oder dem nächst gelegenen See. Hab zwar ein paar Mal Verfolgungsjagden zwischen schreienden Mädchen und lachenden Jungs gesehen, aber dem berüchtigten Eimer Wasser in der Straßenbahn bin ich zum Glück nicht begegnet. Außerdem war ich heute auf Souvenirjagd weit weg vom Marktplatz, denn dort kommt die Touristenpauschale von 20 bis 50 Prozent des Preises drauf. Habe auch ein paar schöne Sachen gefunden. Für mich, nicht für euch. Pfff.

Tja, jetzt stehen mir nur noch ein paar Tage bevor, bis es nach Hause geht. Ich fühl mich hier echt wohl, die Stadt ist top! Ich hatte vor etwa einem Jahr mal vor, hier einen Intensivsprachkurs zu machen. Wäre auf jeden Fall eine Überlegung wert, jetzt wo ich mich hier schon ganz gut auskenne. Hm, mal sehen. Habe immerhin noch ein Semester vor mir, und dann geht es weiter. Der Plan für danach ist zwar noch eine grobe Skizze, aber bald werde ich mich entscheiden. Vielleicht wird das ja doch noch was mit meiner Karriere als Astronaut.

9.4.12 19:01

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Mutti (9.4.12 19:30)
So viel zum Wetter und Deiner Aussage "gut das ich meine kurze Hose dabei habe". Schnee hat uns auch schon mal zur Ostern überrascht.

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