Krakau 2012

 

Letztes Feedback

Meta





 

Zeitreise

Früh morgens rief mich die Lehrerin an: Der Unterricht von heute wird auf morgen früh, 8 Uhr verschoben. Sind Sie einverstanden, ja? Na Klar!

So nutzte ich den Morgen, um im Cafe mein Büro aufzubauen und dreieinhalb Stunden bei gutem Kaffee zu arbeiten. Am Nachmittag nahm ich mir dann die trinkgeldbasierte Städtetour durch das jüdische Krakau vor, dessen Konzept ich bereits aus Barcelona und Berlin kenne. Die Tourguides sind junge, enthusiastische Studenten, geschichtsbegeistert und lampenfieberfrei. Maciek führte uns von der Marienkirche durch die Fußstapfen der aus dem alten Krakau vertriebenen Juden ins nahe gelegene Kazimierz.



Da sie kein Land besitzen durften, was im Mittelalter Macht und Reichtum bedeutete, konzentrierten sie sich auf den Handel und das den Christen verbotene Bankwesen. Trotzdem war nur ein kleiner Teil der jüdischen Bevölkerung wirklich wohlhabend. Der Rest war bettelarm und wohnte in Straßen wie der "ulica z kupy", der Scheißhaufenstraße. So versuchten sie trotzdem, über die Runden zu kommen, und erfanden zum Beispiel die Singer Nähmaschinen, denen heute noch eine Bar gewidmet ist, oder Schminke. Helena Rubinstein zum Beispiel war eine krakauer Jüdin. Ein anderes Beispiel, wenn auch nicht aus Krakau, ist Max Factor, die Kosmetikfirma, die vom aus Łódź kommenden Maksymilian Faktorowicz durch Kosmetikrezepte seiner Großmutter gegründet wurde, wurde in den Siebzigern für 500 Millionen Dollar an Procter&Gamble verkauft. Ein Händchen für Business ist den Polen jedenfalls zuzuschreiben.

Weiter durch das krakauer Ghetto ging es zu ehemaligen Grenzübertritten, der Schindler-Fabrik und Schauplätzen aus dem Film. Erinnert ihr euch an die Szene, als die Kinder (oder nur eins? Weiß nicht mehr genau) aus dem Kanal klettern, und sich vor den durch die Straßen rennenden Soldaten unter einer Treppe verstecken?



Nach 3 Stunden Fußmarsch und vielen interessanten Geschichten in lustiger und nachdenklich stimmender Weise erzählt, endete die Tour in einem Restaurant, wo die verbleibende Hälfte des 20 Mann starken Touri-Entenmarschs für ein Bier, oder in meinem Fall, einer Cola einkehrte. Außerdem probierte ich Pierogi, eine polnische Nationalspeise aus gebratenen Kartoffeltaschen. Die sind geil! Warum hatte ich davon noch nie gehört?

Zwischen den Stops der Tour und in diesem Restaurant unterhielt ich mich mit einer angehenden Reiseleiterin der Free Walking Tour, die auch noch wirklich gute Stories aus der Stadt preisgab, sowie einer kanadischen Fünfergruppe. Mit letzteren schwelgte ich in Erinnerungen an meine Kanadareise und konnte mich am vertraut klingenden Englisch erfreuen. So fiel zwar das Training aus, aber dafür war mir mein Körper nach den letzten beiden Tagen eher dankbar. Die letzten paar Stationen nach Hause fuhr ich mit der Straßenbahn - genug gelaufen für heute!

27.3.12 18:03

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Levi Goldberg (28.3.12 22:24)
Hallo, alter Shaygets!

Das mit dem Bankwesen bei den Christen stimmt nicht. Diese Typen hatten kein Bankverbot, sondern ein Zinsverbot. Und das gibt es in allen Religionen, selbst bei uns Juden (mit ein paar nützlichen Ausnahmen, niehehehe). Kleiner Auszug aus dem 5. Buch Mose (20-21): "Dem Fremden magst du Zins auferlegen, aber deinem Bruder darfst du nicht Zins auferlegen, damit der Herr, dein Gott, dich segnet in allem Geschäft deiner Hand in dem Land, in das du kommst, um es in Besitz zu nehmen." Alles klar?

Und diese Räuberpistole mit der Liste hat unser Propagandabeauftragter Spielberg wirklich gut hinbekommen. Die ganzen meschuggenen Gojim glauben sogar den Schmonzes mit dem Ascheregen, nihihi.

Hoffentlich kannst Du noch ein paar gute Geschäfte in Krakau machen!

Gruß,
Dein Levi

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen