Krakau 2012

 

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Tausche Sprache gegen Geduld


Ein vollgepackter Terminplan mit dennoch großen Lücken hat mich mittlerweile hier ankommen lassen. Nach einer Woche habe ich alle Klassen kennengelernt und konnte mit meiner Unterrichtsbeobachtung anfangen.

Das heißt - nicht ganz. Die Schüler, so zwischen 12 und 18, sind natürlich ein bisschen befangen und neben dem nervigen (wir kennen das doch alle noch) Lehrergebrabbel jetzt auch noch mit einem Muttersprachler konfrontiert. Das ist dann kein natürlicher Unterricht, sondern eine Mischung aus "Schauen Sie, Herr Christian, was ich meinen Schülern schon alles beigebracht habe! Auch wenn sie Fehler machen - die können das eigentlich!" und "Guck mal, wie sehr wir unserer Lehrerin auf der Nase herumtanzen können, ohne dass sie völlig ausrastet!". Das ist ein Spagat zwischen einem Vertrautmachen mit den Schülern und dem Ablösen von der Schülerrolle - ich stehe nämlich jetzt selbst vorne, oh ja! Und eine SEHR GEBRÄUCHLICHE (wenn auch offenbar hessische) Redewendung konnte ich den Schülern schon beibringen: Sie können jetzt sagen, was sie so alles einstecken haben. Nimm das, Rheinland!

Zwischen Pflichtklassen mit entsprechend wenig Motivation und Wille gibt es auch Abiturvorbereitungsklassen mit Germanistikstudenten in spe. Da ist es natürlich viel einfacher, Unterricht zu halten. Damit werde ich diese Woche anfangen, das Thema ist Umweltschutz mit Passiv in der Grammatik. Der Müll ist von Familie Meier vorsortiert worden und wird in der Recyclinganlage wiederverwertet. Dabei fällt mir erstmals auf, wie oft wir eigentlich den Passiv verwenden, um etwas zu betonen. Im Polnischen wird das selten auf diese Weise gemacht (schon wieder Passiv!). Soll mir recht sein, da hab ich weniger zu lernen. Zwischen belebten und unbelebten Substantiven zu unterscheiden ist schon kompliziert genug. Ein Laptop und ein Mercedes sind übrigens belebt.

Am Mittwoch besuchte ich nach 4 Stunden "Schule" abends noch den deutschen Part des "Language Exchange Club Kraków" in einer dunklen, gemütlichen Bar im ehemaligen Judenviertel Kazimierz. Ich war etwas früher da, und irgendwie war das Musik in meinen Ohren, deutsche Muttersprachler mit den Worten "Ich schau schon mal unten, vielleicht wartet da ja schon jemand" durch die Tür kommen zu hören. Ein paar Sekunden hörte ich noch, etwas ungläubig und fasziniert, dem vertrauten Klang der Sprache zu, bis ich "Jap, einer wartet schon!" entgegnete. Vera und Grischa, zwei Erasmusstudenten (internationale Studentenaustauschorganisation), die im Goethe-Institut in Krakau Deutsch unterrichten, waren die ersten, etwa 15 andere folgten bald. Mit etwa 5 Deutschen und etlichen Internationalen (die meisten jedoch Polen) ging dann die Runde los - es wurde über Schule, Alltag, Deutschland und Polen, über Sprachen, Redewendungen und "falsche Freunde" gesprochen, also Worte mit gleichem Laut in zwei Sprachen, aber unterschiedlichen Bedeutungen, sowie übernommenen Wörtern wie szlufka ("schlufka", Schlaufe), laczka ("latschka", Latschen/Hausschuhe) oder szlafmyca ("schlafmütza"). Die restlichen deutschen Wörter klingen sowieso entweder wie ein Hustenreflex oder wie Autoteile. Achtung, Katzenfutter kaputt! Brauchen reparieren Katzenfutter mit Taschentuch!

Der Donnerstag ist mit 6 Stunden mein längster Tag - lässt sich trotzdem gut aushalten. Danach steht Wing Tsun auf dem Programm. Da freue ich mich immer drauf, auch das Tennisfußballtennis ist wirklich witzig. Auch wenn ich nicht der König der Ballsportarten bin, muss ich doch Fußballdeutschland vertreten. Formen und Übungen folgten, immer noch etwas ungewohnt. Als danach in der zweiten 3-Minuten-Runde Sparring mit den Handschuhen mein nächster Trainingspartner mit einem kleinen Cut über dem Auge ankam und auf Englisch fragte "Mit Tritten oder ohne?", musste ich nicht lang überlegen. Schon eine andere Herausforderung als zuhause, aber die Regeln (nicht auf Augen, Nase, Mund oder Weichteile) mussten reichen.. Werde mir trotzdem Tief- und Mundschutz zulegen. Zur Sicherheit. Wo gehobelt wird, könnten auch Späne fallen.

27.3.12 16:00

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(27.3.12 17:02)
und schon für's Leben versaut... Ich hoffe du hast den armen Pänz auch erklärt, dass das KEIN Deutsch ist!!! "einstecken"....pfff....

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