Krakau 2012

 

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Smingus Dyngus!


Eine Woche voller Unterricht und ein verlängertes Wochenende liegt hinter mir. Die Vorbereitung für die Stunden, die ich halten sollte, kannte ich ja von der Uni. Stundenziel, Durchführung und Ergebnissicherung wollen sorgfältig vorbereitet sein. Zumindest in der Theorie. Kein Lehrer, der sein Referendariat beendet hat, macht das. Aber eine Dreiviertelstunde zu füllen, ist schwieriger als man denkt. Von der Lehrerin hatte ich zwar Thema und Material zur Verfügung gestellt bekommen, was schon mal die halbe Miete ist, aber trotzdem brauchte ich meinen Spickzettel. Eine Schwierigkeit besteht zum Beispiel darin, ein nachvollziehbares Tafelbild zu erstellen. Einfach drauf los schmieren geht zwar auch, aber davon haben die Schüler nicht so viel.

Also versuchte ich, in ein relativ motivierendes Thema, nämlich Geschenke und Feiertage, ein bisschen Grammatik zu verstecken. Außerdem konzentrierte ich mich auf die Aussprache. Manche Schüler sind schon ganz gut, aber manche hören sich an wie ein intergalaktischer Klingonenkrieger. Die Pünktchen über den Umlauten sagen "Lippen so lassen wie sie sind, und einfach die Zunge nach vorne schieben!" Haha, ich stelle mir grad vor wie ihr das alle ausprobiert! Aber das haben wir in zwei Semestern Phonetik auch gemacht. Zwischen Lautschrift und Akustiktheorie liegt irgendwo die Wissenschaft der Geräuschbildung im Vokaltrakt. Äh, spannend.
Auf jeden Fall ist es ganz lustig, den Schülern ihre Kenntnisse zu entlocken und sie zum Sprechen zu animieren. Meine Messlatte ist ganz einfach: Verstehe ich sie, ist das in Ordnung. Wenn nicht (oder wenn ich entscheide, sie nicht zu verstehen), stelle ich blöde Fragen. Du sortierst Mull? Im Verbandskasten?

Die freien Tage hab ich für autodidaktische Polnischlektionen genutzt und konnte meinen Studiums- und Arbeitsplan machen. Mir fehlt irgendwo ein Seminar in den sechs Semestern. Ich sollte noch herausfinden, warum und welches das ist. Und zusehen, dass ich es nachbelege.
Samstag war es etwas nieselig, aber ich packte meine Laufsachen und startete mal in die andere Richtung. Wollte mal den Hügel westlich von der Stadt rauf, auf dem ein Hügel gebaut wurde. Diese Hügelhügel hab ich zwar immer noch nicht verstanden, aber ne super Aussicht muss man da oben wohl haben. Ich versuche morgen nochmal mein Glück, denn das kostete einen kleinen Obolus Eintritt, aber ich hatte in meiner neu erworbenen Laufjacke natürlich kein Geld. Am Ostersonntag wollte ich eigentlich in die Kirche gehen und mir eine Osterprozession anschauen, denn Ostern ist hier das größte Fest, wichtiger als Weihnachten. Obwohl es, wie in Deutschland, das Weihnachtsfest ist, das die Familie für ein paar besinnliche Tage zusammenführt. Wenn es nicht von Geschäften dazu genutzt wird, "Last Christmas" von Wham in Dauerschleife zu spielen. Auf jeden Fall hat es bei wenigen Grad über Null geregnet, und da hab ich mich gegen das Verlassen des Hostels entschieden. Nachmittags kühlte es wohl noch ein bisschen weiter ab, denn es fielen für über eine Stunde riesige Schneeflocken. Heute allerdings war die Sonne wieder an der Reihe; Zwar hat das Wetter die 10 Grad-Grenze nicht überschritten, aber den ganzen Tag war kein Wölkchen am Himmel. Also raus aus der Bude! Dabei hatte ich meine Wasserpistole vergessen - heute ist nämlich Smingus Dyngus, eine alte polnische Tradition, bei der Mädchen nass gemacht werden. Den Ursprung hat das im Taufen und Weihen, und der Gentleman macht das mit ein paar Spritzern Parfum, der Durchschnittsmann mit einer kleinen Wasserpistole und die Jugend mit Eimern, Wasserflaschen, oder dem nächst gelegenen See. Hab zwar ein paar Mal Verfolgungsjagden zwischen schreienden Mädchen und lachenden Jungs gesehen, aber dem berüchtigten Eimer Wasser in der Straßenbahn bin ich zum Glück nicht begegnet. Außerdem war ich heute auf Souvenirjagd weit weg vom Marktplatz, denn dort kommt die Touristenpauschale von 20 bis 50 Prozent des Preises drauf. Habe auch ein paar schöne Sachen gefunden. Für mich, nicht für euch. Pfff.

Tja, jetzt stehen mir nur noch ein paar Tage bevor, bis es nach Hause geht. Ich fühl mich hier echt wohl, die Stadt ist top! Ich hatte vor etwa einem Jahr mal vor, hier einen Intensivsprachkurs zu machen. Wäre auf jeden Fall eine Überlegung wert, jetzt wo ich mich hier schon ganz gut auskenne. Hm, mal sehen. Habe immerhin noch ein Semester vor mir, und dann geht es weiter. Der Plan für danach ist zwar noch eine grobe Skizze, aber bald werde ich mich entscheiden. Vielleicht wird das ja doch noch was mit meiner Karriere als Astronaut.

3 Kommentare 9.4.12 19:01, kommentieren

Kreidezeit


Mittwoch war ich auf der besagten Tour, auf der ich zufällig die verbleibenden zwei der fünf Kanadier wiedertraf. Nach dem Fußmarsch machten wir uns auf, einen Geheimtipp des Tourguides zu besuchen: Ein kleines Pierogi-Restaurant, das lecker und günstig die Teigtaschen in allen Variationen anbot. Wir teilten uns Kartoffel-Käse, Spinat und Hackfleischpierogis. Dazu selbstgemachten Barszcz, die polnische Suppe aus Fleischbrühe und ausgekochter rote Beete. Die wird hier auch in ausgespülten Vodkaflaschen von Omis am Markt verkauft. Immerhin besser als dieses Instant-Zeug! Nach dem Mittagessen hatte ich ein paar Stunden Schule, wonach wir uns für den Gang ins Museum unter dem Marktplatz wiederfanden.



Am Freitag fuhr ich aus Zeitdruck aus der Innenstadt mit dem Taxi zur Schule. Fahrtzeit: 10 Minuten. Kostenpunkt: 2 Euro. Mir scheint, dass jeder, der eine fahrbare Schüssel unterm Hintern hat, sich als Taxifahrer lizensieren lassen kann. Dafür müssen sie allerdings ihre besten Jahre schon hinter sich gebracht haben. Die Autos, meine ich. An der Schule erwartete mich direkt mein erster Unterricht. Zwar mit der Lehrerin als Geheimwaffe, aber selbst an der Tafel. Kleine Herausforderung, aber es hat eigentlich ganz gut geklappt! Und ich kann rückwirkend die Lehrer aus meiner Schulzeit besser verstehen. Przemek, hörst du mich da hinten? Nein? Mach den Mund zu, dann geht's vielleicht!

In den nächsten beiden Stunden war ich in der mit etwa 20 Schülern größten Klasse. Die Lehrerin hat sich für diesen Unterricht das Thema "Studentenleben in Deutschland" ausgesucht. Der dafür ausgesuchte Film der "Redaktion D" behandelte hierfür zufälligerweise Bonn. Witzig! Die Hofgartenwiese mit der Uni, die Fußgängerzone (leider nicht den Part mit dem Cafe Göttlich), die Rheinaue und das Siebengebirge - schon komisch, das in einem Film für Deutschlerner zu sehen. Aber darüber hatte ich wenigstens etwas zu erzählen, und die Fragen kamen angesichts der Auswahl "Fragen an den deutschen Student, oder Grammatikübungen!" auch nicht zu kurz. Was ist eine WG? Wo kann man abends in Bonn hingehen? Wie findest du polnischen Vodka? Was kostet in Deutschland ein Stück Gras? Äh Moment, das könnt Ihr unseren Gast doch nicht fragen. Das geht zu weit.

Meine samstägige Auszeit genoss ich trotz den vielen Erlebnissen auch sehr. Hatte wieder mal Zeit und Gelegenheit, mit Ani über Skype zu televideofonieren (videotelezufonieren?). Zwar hab ich mich bei leichtem Regen und fiesem Wind doch zum Laufen rausbewegt, aber dafür auch nachmittags massieren lassen - anderthalb Stunden lang. Ich fühle mich, als hätte die meine Wirbelsäule ausgebaut und neu kalibriert. So wie die mich zusammengefaltet hat, hätte ich auch beim Supertalent-Casting als Schlangenmensch auftreten können. Aber den richtigen Nerv hat sie im wahrsten Sinne des Wortes getroffen. Ich hab geschlafen wie ein Baby.

Am Wochenende war ich mittlerweile wieder in dem schicken Cafe in Kazimierz angekommen, wo ich mich mit alkoholfreien Bieren unters Volk gemischt hab. Hier hab ich stabiles Internet und sitze nicht den ganzen Tag im Hostel. Auch Rosenverkäufer gibt es hier. Anstatt in Gestalt von Pakis in Lederjacken kommen jedoch zarte Mädchen mit einem großen Korb herein, der mit kiloweise Rosen gefüllt ist. Und der polnische Gentleman winkt nicht einfach ab, sondern bietet der Herzdame eine Rose an. Naja, die winkt dann aber meistens ab. Ein weiterer Unterschied ist der Belegdrucker, der den Verkäuferinnen zusammen mit der Verkäuferlizenz um den Hals baumelt. Den Steuern zuliebe. An meinen Tisch haben sich gerade drei Polen gesetzt, die sich der im Cafe herrschenden Lautstärke wegen gegenseitig anschreien. Einer schrie mir gerade ins Gesicht, ob ich nicht auch noch ein Bier will. Neenee, sagte ich, ich muss eh gleich gehen. Hatte keine Lust zu erklären, dass ich gerade nichts trinke. Wahrscheinlich meines Akzentes wegen, fragte er mich, woher ich denn käme. Aus Bonn? Ja, da war ich auch vor 15 Jahren. Da hab ich Jura studiert, entgegnete er in perfektem Deutsch. Die Stadt hört auch nicht auf, mich zu verfolgen. Aber sie hat mich bald wieder, denn ein mit gemischten Gefühlen behafteter Gedanke war: Es ist Halbzeit!

3.4.12 13:24, kommentieren

Geschichtshausaufgaben


Wann kennt man sich in einer Stadt gut aus? Wenn man von überall nach Hause findet? Wenn man die Bus- und Straßenbahnlinien kennt? Die besten Snacks, schicke Bars, Geheimtipps abseits der Touristenpfade? Ich habe diese Woche herausgefunden, dass man eine Stadt gut kennt, wenn man ihre Geschichte kennenlernt. Steine können viel erzählen, wenn man ihnen das richtige Sprachrohr verleiht.

Also machte ich mich nach einem unspektakulären Dienstag, bestehend aus Unterricht und Arbeit, auf die zweite Free Walking Tour: durch das königliche Krakau.

Zwischen der ersten Besiedlung des Wawelhügels vor mehreren zehntausend Jahren und der Zerstörung des altertümlichen Stadtkerns durch die Mongolen im 13. Jahrhundert wurde die Stadt wegen ihrer guten geografischen und strategischen Lage zur Hauptstadt Polens. Die Mongolen mit ihrer "Goldenen Horde" schlich sich jedoch eines Nachts an die Stadt heran, um sie zu überfallen. Das bemerkte eine Wache in einem der beiden Türmen der Marienkirche, die für den Zweck des besseren Überblicks um ca. 12 Meter erhöht wurde, und blies die Trompete, die eigentlich das Zeichen für die Feuerwehr war, dass es irgendwo (!) in der Stadt brannte. Ein mongolischer Bogenschütze fand die Musik scheiße und schoss aus einer Entfernung von 600 Metern dem Trompeter einen Pfeil in den Hals. Da hörte er auf zu spielen.

Die gewarnte Bevölkerung fand dank der Wache sichere Zuflucht in der Burg Wawel, jedoch konnten sie die Stadt nicht mehr retten. Noch in der selben Nacht zündete die Horde die Stadt an. Sie brannte fast völlig nieder. Der trompetenden Wache zu ehren wird bis heute die Melodie stündlich in alle vier Himmelsrichtungen gespielt, auch nachts. Genau beim selben Ton, der auch dem mittelalterlichen Trompeter im Halse stecken blieb (hrhrmpf), stoppt die Melodie. Das ist eine so wichtige Tradition, dass es täglich um 12 Uhr live in ganz Polen im Radio übertragen wird.

Weiter in der Geschichte dieser beeindruckenden Stadt: Nachdem sie, diesmal inklusive einer Stadtmauer, um etwa 4 Höhenmeter angehoben (warum auch immer) im Schachbrettmuster wieder aufgebaut wurde, kamen einige Königsgeschichten, an die ich mich nicht so genau erinnere. Im 16. Jahrhundert kam dann allerdings ein König an die Macht, der in den 40 Jahren Amtszeit zeitweise auch König von Schweden und Zar von Russland war, und der von dem Tourguide als schlimmster König der Geschichte betitelt wurde. Er war nämlich nicht nur ein Versager, der sich nicht um sein Volk kümmerte, sondern auch ein furchtbarer Hobbyalchemist. Bei seinen Experimenten auf der Wawelburg setzte er versehentlich seine Alchemistenküche in Brand. Leider war das im Januar, und die Weichsel sowie die Brunnen waren so fest zugefroren, dass es mit dem Löschwasser übel aussah. So brannte ein Teil der Burg aus. Während des Wiederaufbaus wurde der Regierungssitz nach Warschau verlegt, wo er bis heute ist.

Während des zweiten Weltkrieges, so viel noch, fiel keine einzige Bombe auf Krakau, da die viel mit Artillerie arbeitende sowietische Armee die Wehrmacht schon so weit zurückgetrieben hatte, dass eine Bombardierung nicht notwendig war. Ivan nahm die Stadt einfach in Beschlag und errichtete das damals größte Stahlwerk der Welt in der Trabantenstadt Nowa Huta ein paar Kilometer außerhalb der Stadt, deren Emissionen bis in die 90er Jahre hinein die alten Gemäuer schädigten und schwärzten. Die ersten freien Wahlen der Nachkriegszeit 1989 ermöglichten wieder eine freie Entwicklung der Stadt.

Daraus resultierten auch die Ausgrabungen, die zwischen 2005 und 2010 auf dem Marktplatz stattfanden. Der ganze Platz sah 2005 aus wie ein schweizer Käse, aber schon ein paar Monate später hatte man eine Betondecke über die Ausgrabungen gelegt - den Touristen zuliebe. Nach der Fertigstellung errichtete man ein Museum da unten, das ich am Mittwoch besuchte. Seltsames Gefühl da unten, meterweit unter den Füßen der Touris, Jahrhunderte in der Zeit zurück...



Kunstvoll wurde in dem interaktiven Museum das Leben des mittelalterlichen Krakaus rekonstruiert, mit Themen wie den Handelsrouten, der mongolischen Zerstörungswut und dem Alltag vor gut 500 Jahren. Der Kollege auf dem Bild wurde übrigens gefesselt begraben, damit er nicht als Vampir wieder aufersteht und die Stadt heimsucht. Find ich legitim. Sicher ist sicher!

Somit hätte ich also meine Hausaufgaben gemacht und bin damit der Stadt noch ein ganzes Stückchen näher gekommen. Für das Geschichtsreferat hab ich mir übrigens ne eins gegeben.

31.3.12 21:43, kommentieren

Zeitreise

Früh morgens rief mich die Lehrerin an: Der Unterricht von heute wird auf morgen früh, 8 Uhr verschoben. Sind Sie einverstanden, ja? Na Klar!

So nutzte ich den Morgen, um im Cafe mein Büro aufzubauen und dreieinhalb Stunden bei gutem Kaffee zu arbeiten. Am Nachmittag nahm ich mir dann die trinkgeldbasierte Städtetour durch das jüdische Krakau vor, dessen Konzept ich bereits aus Barcelona und Berlin kenne. Die Tourguides sind junge, enthusiastische Studenten, geschichtsbegeistert und lampenfieberfrei. Maciek führte uns von der Marienkirche durch die Fußstapfen der aus dem alten Krakau vertriebenen Juden ins nahe gelegene Kazimierz.



Da sie kein Land besitzen durften, was im Mittelalter Macht und Reichtum bedeutete, konzentrierten sie sich auf den Handel und das den Christen verbotene Bankwesen. Trotzdem war nur ein kleiner Teil der jüdischen Bevölkerung wirklich wohlhabend. Der Rest war bettelarm und wohnte in Straßen wie der "ulica z kupy", der Scheißhaufenstraße. So versuchten sie trotzdem, über die Runden zu kommen, und erfanden zum Beispiel die Singer Nähmaschinen, denen heute noch eine Bar gewidmet ist, oder Schminke. Helena Rubinstein zum Beispiel war eine krakauer Jüdin. Ein anderes Beispiel, wenn auch nicht aus Krakau, ist Max Factor, die Kosmetikfirma, die vom aus Łódź kommenden Maksymilian Faktorowicz durch Kosmetikrezepte seiner Großmutter gegründet wurde, wurde in den Siebzigern für 500 Millionen Dollar an Procter&Gamble verkauft. Ein Händchen für Business ist den Polen jedenfalls zuzuschreiben.

Weiter durch das krakauer Ghetto ging es zu ehemaligen Grenzübertritten, der Schindler-Fabrik und Schauplätzen aus dem Film. Erinnert ihr euch an die Szene, als die Kinder (oder nur eins? Weiß nicht mehr genau) aus dem Kanal klettern, und sich vor den durch die Straßen rennenden Soldaten unter einer Treppe verstecken?



Nach 3 Stunden Fußmarsch und vielen interessanten Geschichten in lustiger und nachdenklich stimmender Weise erzählt, endete die Tour in einem Restaurant, wo die verbleibende Hälfte des 20 Mann starken Touri-Entenmarschs für ein Bier, oder in meinem Fall, einer Cola einkehrte. Außerdem probierte ich Pierogi, eine polnische Nationalspeise aus gebratenen Kartoffeltaschen. Die sind geil! Warum hatte ich davon noch nie gehört?

Zwischen den Stops der Tour und in diesem Restaurant unterhielt ich mich mit einer angehenden Reiseleiterin der Free Walking Tour, die auch noch wirklich gute Stories aus der Stadt preisgab, sowie einer kanadischen Fünfergruppe. Mit letzteren schwelgte ich in Erinnerungen an meine Kanadareise und konnte mich am vertraut klingenden Englisch erfreuen. So fiel zwar das Training aus, aber dafür war mir mein Körper nach den letzten beiden Tagen eher dankbar. Die letzten paar Stationen nach Hause fuhr ich mit der Straßenbahn - genug gelaufen für heute!

2 Kommentare 27.3.12 18:03, kommentieren

Wir wünschen euch ein schönes...


...Wochenende!

Nachdem ich Skype als Tor zur Außenwelt wiederentdeckt hab und Ani und die Eltern etwas lebhafter als nur in den E-Mails und SMS erleben konnte, kam ein bisschen Heimweh auf. Klar, ich hab hier viel zu tun, viel Ablenkung und eine geile Erfahrung, aber Zuhause ist es doch...

Natürlich kenne ich das Phänomen nicht nur von früheren längeren Reisen, sondern auch durch meine Arbeit in der Studentenorganisation. Da gehörte das bei den durchschnittlich 80 Praktikanten pro Jahr, die wir nach Deutschland brachten oder ins Ausland schickten, zur Tagesordnung. In den Seminaren, die wir gaben, konnten wir das ganz logisch erklären, aber selbst wieder in der Situation zu stecken, ist seltsam. Ich genieße es trotzdem irgendwie, weil ich weiß, wie sehr ich mich zurücksehnen werde, wenn ich wieder einige Zeit zuhause bin. Tut eben immer wieder gut, den Juckreiz der Abenteuer- und Reiselust zu stillen.

Das Wochenende brachte das beste Wetter, das ich hier seit meiner Ankunft gesehen hab. Wolkenloser Sonnenschein und Thermometerwerte um die 20 Grad, wahrscheinlich wie in Deutschland auch, trieben mich an meinen freien Tagen nach draußen. Am Samstag erforschte ich die Galeria Krakrovska, das örtliche Einkaufszentrum. Mit H&M, Jack Wolfskin und Swarovski-Läden sowie Starbucks, McSpasti und Kentucky Fried Chicken nicht anders als jedes Einkaufszentrum in Deutschland. Auch preislich. Ich suchte nach meinen Handschuhen, die mir der Trainer nicht mitbringen konnte, und entschied mich für passable MMA Grappling Handschuhe. Freue mich aufs Ausprobieren! Ist wahrscheinlich handgelenktechnisch auch gar nicht so schlecht für meinen noch zu installierenden Wandsack zuhause.

Der restliche Tag verlief eher ruhig - hab viel Polnisch gelernt und abends ne Doku in der ZDF Mediathek geschaut. Hab dafür immerhin GEZahlt.

Am Sonntag lockte mich das Wetter aus Krakau raus. Ich lieh mir ein Fahrrad und nahm den Zug ins 30 km entfernte Krzeszowice. Von dort aus ging es einen Berg rauf, der meine Oberschenkel brennen ließ. Oben erwartete mich ein Karmelitenkloster aus dem 17. Jahrhundert, wo ich mein Lunchpaket auspackte und mir den polnischen Snack Oszczypek von einer Dame vor dem Kloster kaufte. Das ist geräucherter Schafskäse in einem Teigmantel. Sehr lecker, aber mehr als einen kann ich davon nicht genüsslich essen, ist der Geschmack doch eher streng. Der Käse ist, wie ich erfahren habe, am besten, wenn er beim Kauen quietscht. Das tut er nämlich nur, wenn er frisch ist. Werde für probierfreudige ein bisschen was nach Hause nehmen!

Die Abfahrt entschädigte die Qualen nach oben, und weiter ging es durch die Juratäler durch verträumte Bauerndörfer auf einen weiteren Berg, wo ich trotz Verständigungsschwierigkeiten zwei polnische Arbeiter bei ihrem Feierabendbier kennenlernte. Wo ich denn herkomme, und dass das Wetter toll fürs Fahrradfahren sei, das habe ich gut verstanden und konnte es beantworten - für viel mehr reichte es leider nicht. Da oben fiel mir dann erstmal auf, wie viel Weg ich zurücklegte - knapp 5 Stunden sollten es insgesamt werden. Hier mal drei Bilder: Das erste auf dem Kloster, das zweite auf dem Weg durch die Täler und das dritte auf dem nächsten Berg, mit dem Kloster erkennbar im Hintergrund (hinterer Berg, ein Finger breit von der Bergmitte entfernt):







Ich hatte mich mit der Entfernung ein bisschen verschätzt, und wegen den wirklich anstrengenden Bergen und der untergehenden Sonne sowie einem Fahrrad ohne Licht schaffte ich es leider nicht mehr zum Schloss Pieskowa Skala, einer wichtigen mittelalterlichen Befestigung zur Verteidigung der Handelsroute zwischen Krakau und Schlesien. Vielleicht gibt mir das Wetter ja noch Gelegenheit, das nachzuholen. So erreichte ich also nach mehr als 40 km Fahrradroute den nächsten Bahnhof und machte mich samt Fahrrad auf den Weg zurück. Geiler Tag, aber nach meinem Weichsel-Lauf morgens und der Radtour konnte ich nicht mehr viel - außer noch kurz Zuhause anrufen und dann etwas entkräftet ins Bett zu fallen. So weit, so gut.

1 Kommentar 27.3.12 16:33, kommentieren

Tausche Sprache gegen Geduld


Ein vollgepackter Terminplan mit dennoch großen Lücken hat mich mittlerweile hier ankommen lassen. Nach einer Woche habe ich alle Klassen kennengelernt und konnte mit meiner Unterrichtsbeobachtung anfangen.

Das heißt - nicht ganz. Die Schüler, so zwischen 12 und 18, sind natürlich ein bisschen befangen und neben dem nervigen (wir kennen das doch alle noch) Lehrergebrabbel jetzt auch noch mit einem Muttersprachler konfrontiert. Das ist dann kein natürlicher Unterricht, sondern eine Mischung aus "Schauen Sie, Herr Christian, was ich meinen Schülern schon alles beigebracht habe! Auch wenn sie Fehler machen - die können das eigentlich!" und "Guck mal, wie sehr wir unserer Lehrerin auf der Nase herumtanzen können, ohne dass sie völlig ausrastet!". Das ist ein Spagat zwischen einem Vertrautmachen mit den Schülern und dem Ablösen von der Schülerrolle - ich stehe nämlich jetzt selbst vorne, oh ja! Und eine SEHR GEBRÄUCHLICHE (wenn auch offenbar hessische) Redewendung konnte ich den Schülern schon beibringen: Sie können jetzt sagen, was sie so alles einstecken haben. Nimm das, Rheinland!

Zwischen Pflichtklassen mit entsprechend wenig Motivation und Wille gibt es auch Abiturvorbereitungsklassen mit Germanistikstudenten in spe. Da ist es natürlich viel einfacher, Unterricht zu halten. Damit werde ich diese Woche anfangen, das Thema ist Umweltschutz mit Passiv in der Grammatik. Der Müll ist von Familie Meier vorsortiert worden und wird in der Recyclinganlage wiederverwertet. Dabei fällt mir erstmals auf, wie oft wir eigentlich den Passiv verwenden, um etwas zu betonen. Im Polnischen wird das selten auf diese Weise gemacht (schon wieder Passiv!). Soll mir recht sein, da hab ich weniger zu lernen. Zwischen belebten und unbelebten Substantiven zu unterscheiden ist schon kompliziert genug. Ein Laptop und ein Mercedes sind übrigens belebt.

Am Mittwoch besuchte ich nach 4 Stunden "Schule" abends noch den deutschen Part des "Language Exchange Club Kraków" in einer dunklen, gemütlichen Bar im ehemaligen Judenviertel Kazimierz. Ich war etwas früher da, und irgendwie war das Musik in meinen Ohren, deutsche Muttersprachler mit den Worten "Ich schau schon mal unten, vielleicht wartet da ja schon jemand" durch die Tür kommen zu hören. Ein paar Sekunden hörte ich noch, etwas ungläubig und fasziniert, dem vertrauten Klang der Sprache zu, bis ich "Jap, einer wartet schon!" entgegnete. Vera und Grischa, zwei Erasmusstudenten (internationale Studentenaustauschorganisation), die im Goethe-Institut in Krakau Deutsch unterrichten, waren die ersten, etwa 15 andere folgten bald. Mit etwa 5 Deutschen und etlichen Internationalen (die meisten jedoch Polen) ging dann die Runde los - es wurde über Schule, Alltag, Deutschland und Polen, über Sprachen, Redewendungen und "falsche Freunde" gesprochen, also Worte mit gleichem Laut in zwei Sprachen, aber unterschiedlichen Bedeutungen, sowie übernommenen Wörtern wie szlufka ("schlufka", Schlaufe), laczka ("latschka", Latschen/Hausschuhe) oder szlafmyca ("schlafmütza"). Die restlichen deutschen Wörter klingen sowieso entweder wie ein Hustenreflex oder wie Autoteile. Achtung, Katzenfutter kaputt! Brauchen reparieren Katzenfutter mit Taschentuch!

Der Donnerstag ist mit 6 Stunden mein längster Tag - lässt sich trotzdem gut aushalten. Danach steht Wing Tsun auf dem Programm. Da freue ich mich immer drauf, auch das Tennisfußballtennis ist wirklich witzig. Auch wenn ich nicht der König der Ballsportarten bin, muss ich doch Fußballdeutschland vertreten. Formen und Übungen folgten, immer noch etwas ungewohnt. Als danach in der zweiten 3-Minuten-Runde Sparring mit den Handschuhen mein nächster Trainingspartner mit einem kleinen Cut über dem Auge ankam und auf Englisch fragte "Mit Tritten oder ohne?", musste ich nicht lang überlegen. Schon eine andere Herausforderung als zuhause, aber die Regeln (nicht auf Augen, Nase, Mund oder Weichteile) mussten reichen.. Werde mir trotzdem Tief- und Mundschutz zulegen. Zur Sicherheit. Wo gehobelt wird, könnten auch Späne fallen.

1 Kommentar 27.3.12 16:00, kommentieren

Schulbeginn!

Wie vereinbart traf ich mich heute morgen um 8:30 mit der Deutschlehrerin in der Schule. Schnell waren die Eckdaten meines Stundenplans und der Unterricht besprochen. Dienstags 2 Stunden, Mittwochs 4 an der anderen Schule, an der Frau Mejbaum unterrichtet, Donnerstags 6 und Freitags 2, plus 4 Stunden Montags bei einer Kollegin am anderen Gymnasium. 18 Stunden also, plus Vor- und Nachbereitung. Muss ja zuhause einen Praktikumsbericht abliefern und in den letzten beiden Wochen selbst Unterrichtsversuche halten.

Der Unterricht heute war eigentlich ganz locker - die Abiturklasse schlug sich mit Details wie Zeitpräpositionen (Warum heißt es "in 4 Wochen" und "in den Sommerferien", aber "am Wochenende" und "um 9 Uhr"?) und Verbtrennung (Wieso trennt man "aufstehen" in "Ich stehe auf", aber nicht "bestehen"?) herum und war anfangs noch ein bisschen befangen, vor einem Muttersprachler die gelernten Künste zu präsentieren. Nachdem ich bei meiner Vorstellung auf Polnisch ein holpriges "Ja uczę języka polskiego, ale nie jestem jeszcze dobry!" (Ich lerne Polnisch, bin aber noch nicht gut!) rausbrachte, war ein Stück Eis gebrochen. Immerhin kann ich den Schülern nachfühlen, wenn sie die Grammatik verfluchen. Wen oder was?

Den Rest des Tages verbrachte ich eigentlich damit, mir Aktivitäten und Touren in und um Krakau rauszusuchen und mit dem Stundenplan abzugleichen, wann ich Zeit dafür habe. Und diesen Eintrag nochmal zu schreiben, denn "Sie haben länger keine Aktion durchgeführt. Sie sind jetzt abgemeldet." Ich meld dich gleich ab. Penner.

1 Kommentar 20.3.12 21:16, kommentieren

Schlagabtausch

Ohne Touristen und abseits der üblichen Pisten ist Krakau eine ganz andere Stadt, als man sie aus Reiseführern, durch Fernsehbilder und von Postkarten kennt. Der Charme des gescheiterten Kommunismus erzählt eine interessante Geschichte, für die man etwas weiter über den Tellerrand schauen muss, als es der Altstadtkern erlaubt.

Meine neue Angewohnheit, um sechs Uhr dreißig aufzustehen, erweist sich als praktisch, nicht nur in der Hinsicht, als dass ich ganz anders in die Gänge komme, als ich es von Nachtschichten und Schlummertasten gewohnt bin. Meist überliste ich den Wecker um fünfzehn, zwanzig Minuten und bin vor der sowieso schon früh angesetzten Weckzeit wach. Hatte kurz überlegt, ob ich den Apparat im Siebenminutentakt aus vollem Halse anschreien sollte, damit der mal weiß, wie das ist. Den ersten Schlagabtausch des Tages hätte ich damit jedenfalls gewonnen.

Ein Zimmerwechsel stand bevor, da das Hostel mit der verschobenen Buchung irgendwas durcheinandergebracht hatte. Soll mir recht sein - das erste Zimmer war zwar durchschnittlich für ein Hostel, aber nicht das beste. Außerdem fehlte ein Brett vom Lattenrost, was das Schlafen etwas unkomfortabler machte - aber da ich von Anfang an von dem Umzug wusste, wollte ich das neue Zimmer abwarten, bevor ich reklamierte. Erstmal musste ich jedoch meinen Kram wieder einpacken (hatte aber aus diesem Grund auch nicht ganz ausgepackt) und an der Rezeption zur Aufbewahrung abgeben. Die Nachtschicht des Hostels, Paweł, mit dem ich mich gestern eine Weile unterhalten hatte, saß nach knapp 12 Stunden immer noch hinter dem Tresen und sagte mir, ich könne ab 13 Uhr in mein neues Zimmer ziehen.

Da ich keine weiteren Informationen bekommen hatte, stand ich mal vorsichtshalber um 8 auf der Matte des in der Altstadt gelegenen Privatgymnasiums. Auf dem bewölkten Weg über den Rynek (die Schule befindet sich mitten in der Altstadt) war statt der üblichen Touri-Horde eine Militärparade zu sehen - stillgestanden!



Ich konnte in der Schule zwar verständlich machen, dass ich Frau Mejbaums Praktikant sei, aber damit erschöpfte sich auch die Kommunikation. Schnell war einer derjenigen, die in Deutsch bald ihr Abitur machen werden, aus dem Klassenraum geholt und fungierte, ein bisschen nervös angesichts der sprachlichen Herausforderung, als Dolmetscher. Gar nicht mal so schlecht, dachte ich mir; mit diesem Niveau ist es sehr leicht zu arbeiten. Man kann nämlich alles auf Deutsch erklären.
So erklärte er mir, dass die Deutschstunden wegen des gerade abgeschlossenen Schüleraustausches heute ausfallen sollten. Ich sagte "Ach schade"; ich dachte "Geil! Heute frei!"

Der Direktor hatte in der Zwischenzeit Frau Mejbaum ans Telefon geholt. Willkommen in Krakau, kommen Sie doch morgen um acht Uhr dreißig in die Schule, dann können wir alles besprechen.

Im nächsten mit WLAN-HotSpot ausgestatteten Cafe breitete ich mich somit erstmal aus und konnte mich von dort aus gut um die Arbeit zuhause kümmern. Ein paar Stunden die Woche, so vereinbarte ich das, sind auf jeden Fall drin. Mir ist das ganz recht, denn so vermeide ich ein Auftürmen von Routinearbeiten sowie den Ausfall der kompletten Arbeitsstunden. Gegen Mittag trieb mich der Hunger dann zurück ins Hostel, wo ich zuerst mein neues Zimmer bezog. Jetzt scheint mir zwar morgens die Sonne nicht mehr direkt rein, aber hey - ich kann zufrieden sein! So gar nicht üblich für ein günstiges Hostel: Geräumig, schick und gut eingerichtet!



Nach Bezug machte ich mich wegen Trainingsausfall für die 4 Wochen auf die Online-Suche nach Wing Tsun-Schulen in der Gegend. Fand eine mit vergleichbarem Stil. Acht Uhr, klang fair, Zeit für ein Mittagsschläfchen.
Mein Polnisch-Lehrbuch und das Internet (in diesem Zimmer ist die Verbindung viel besser - Skype ahoi!) beschäftigten mich die nächsten Stunden, bis ich die Route zum Training raussuchte. Mit der Straßenbahn ging es dann 15 Minuten lang rumpelnd und knarzend in einen Stadtteil südöstlich der Altstadt. Vorbei an rußgeschwärzten Wohnblocks, einem Opa, der mit einem selbstgezimmerten Grill Würstchen briet und einer modernen Kunsthalle, bis ich eine Schule mit beleuchteter Sporthalle fand. Yoga? Nee, aber mit Hilfe eines auf seine Karatestunde wartenden Rentners (Przepraszam, czy Pan mówisz po angielsku?) zum nächsten Raum. Hier war ich richtig und wurde mit passablem Deutsch und gutem Englisch begrüßt. Ja, Wing Tsun sei hier. Der Sifu (Chinesisch für Trainer-Vater) sei noch nicht da, aber es wird zum Aufwärmen Fußball gespielt. Mit einem Tennisball. Fußtennis. Dort kannst Du Dich umziehen.

Sifu begrüßte mich dann auf Deutsch, er habe seine Ausbildung in Deutschland gemacht, in Baden-Württemberg. Mit fast allen konnte ich mich sprachlich verständigen, und der gemeinsame Kampfstil beseitigte dann die restlichen Schwierigkeiten. Sifu schaute sich an, was ich da so machte, und lobte meine Ausbildung. Trotzdem hat jeder Lehrer seinen eigenen Stil, und dieser hier war deutlich ruppiger. Zuhause zielen wir meist auf die Brust, falls der Trainingspartner mal zu langsam oder die Technik nicht sauber ist. Nee nee, ziel ruhig auf die Stirn. Die kannst du nicht brechen, und wenn jemand einen Fehler macht, dann fühlt er den schon. Sonst wirst du bei einem Gegner, vor dem du Angst hast, immer auf die Brust zielen. Jo, ist was dran.

Am besten und lehrreichsten fand ich das Sparring. MMA-Handschuhe an (wie Boxhandschuhe, nur mit offener Handfläche; quasi nur gepolsterte Faustknöchel) und los gehts! Offenbart die eigenen Stärken und Schwächen deutlicher, als ich dachte. Und war ganz schön anstrengend, mental und physisch. Es war ein Geben und Nehmen - und zwar voll auf die Zwölf. Aber ich fands gut. Damit hätte ich den zweiten Schlagabtausch für heute hinter mir.

Sifu sagte, ich könne gern auch nur diesen einen Monat mitmachen, und er erließe mir sogar die Aufnahmegebühr. Am Donnerstag sei die nächste Stunde. Er könnte mir Handschuhe mitbringen, er bekommt bei seinem Ausstatter Rabatt. Ich könnte aber auch nach Nowa Huta kommen, um anzuprobieren. Trifft sich gut. Wollte mir sowieso solche Handschuhe zulegen. Aki, bis ich wiederkomme musst Du Dir auch so Dinger anschaffen! Mein Fazit des Trainings: Etwas unpräziser als zuhause, weniger technikorientiert, etwas realistischer. Und ein Schüler riecht nach Wurst.

1 Kommentar 19.3.12 23:23, kommentieren

Sun-Day

Auch heute morgen wartete die Sonne schon auf ihrem Weg über Krakau auf mich. Um sieben Uhr, nach mehr als 12 Stunden Schlaf, stand ich senkrecht im Bett. Kennt ihr das, wenn man nach dem Aufwachen erst mal ein paar Sekunden braucht, bis man sich dran erinnert, wo man ist?

Mit nem geschnittenen Apfel in meinem Müsli frühstückte ich Gewohnheit von Zuhause - dafür kam das Ungewohnte gleich danach. Laufschuhe an. Morgens.
Zwar rebellierte mein Körper ein bisschen, mit dem Magen als Fahnenführer und dem Wasserhaushalt hintendran, aber die Strecken entlang der Wisła, dem Fluss durch Krakau, sowie den gut gelaunten Läufern, die mir begeneten, ließen keinen Platz für Beschwerden. Knapp 7 Kilometer in ner Dreiviertelstunde - mehr war um halb 9 Uhr morgens nicht drin. Naja, immerhin.

Mein Großeinkauf gestern erwies sich als unnötig - hier haben einige Supermärkte auch Sonntags auf. Hab erstmal für zwei Tage gekocht. Und gelernt, dass man ein Kilo bekommt, wenn man 100 Gramm bestellen will. Konnte die freundliche Metzgerin gerade noch rechtzeitig stoppen.



Jetzt sitze ich in einem echt gemütlichen kleinen Cafe in der Altstadt mit herbata zielona und höre die CD die hier läuft bereits zum zweiten Mal. Neben mir hab ich grad zwei Sprachenlerner kennengelernt. Tom aus den USA und Magda aus Polen, beide um die 35, tauschten ihre Muttersprachen aus und haben mich zu ihrem Sprachstammtisch mit vielen Lernern aus der ganzen Welt eingeladen. Vielleicht wird das doch noch was mit meinem Aufenthaltsraum.

Ich werd noch ein bisschen das schöne Wetter genießen und mich an die Vorbereitung für morgen machen. Wetter wird kälter, Sonne bleibt - hoffentlich länger!

18.3.12 16:59, kommentieren

Aller Anfang!

Ein persönlicher, wenn nach einer kurzen Nacht und meiner nächtlichen Packodyssee auch noch recht verschlafener Shuttleservice brachte mich mit geliehenem Auto zum Flughafen. Was für ein Glück muss man haben!
Ani war wirklich eine große Hilfe am Tag vor der Abreise.. den ganzen Tag haben wir in meiner Wohnung aufgeräumt, geputzt und vorbereitet, damit die Bude bereit war für den (für mich glücklichen) Zufall meiner Zwischenmiete, die Tina wegen eines Rohrbruchs in ihrer Wohnung antrat.
Am Flughafen erwartete mich nach einem etwas traurigen, aber schmerzfreien Abschied das übliche Prozedere des Durchsuchens, Durchleuchtens und Durchschleusens. Der Flug nach Berlin war mit 55 Minuten etwas kürzer als geplant, und die ausliegende Lektüre in Form von Men's Health und Playboy sowie ein Käffchen und ne Laugenstange gesponsort von Air Berlin verhinderte ein Einschlafen. Kurzer Stress beim Umsteigen, da die Zeit wirklich knapp bemessen war, aber auch der zweite Flug mit etwas über einer Stunde ging mit der Berliner Morgenpost und einer weiteren Laugenstange vorbei. Fast wie im...Flug.



Strahlender Sonnenschein und 22 Grad begrüßten mich und meine Rucksäcke. Holprig ging es im Linienbus für 'ne Mark in die Innenstadt. 15 Minuten Fußmarsch entfernt, über den Rynek und diverse Hauptstraßen außerhalb der Altstadt, bezog ich dann mein Hostel. Ganz nett eigentlich, nur fehlt ein großer Aufenthaltsraum.


Die erste Herausforderung erwartete mich im Supermarkt. Nicht nur dass, wie es immer im Ausland ist, die Fülle unbekannter Marken und Produkte erstmal verwirrt, auch die Auswahl von halbwegs verträglichen Lebensmitteln war gar nicht so einfach. Hier ist das Menü einfach mehr auf Energielieferanten konzentriert. Was heißt'n Karotte auf Polnisch?
Allerdings kam auch die eine oder andere SMS nicht an - Als ich die lustige E-Mail meiner Mum beantworten wollte, in der sie mich dran erinnerte, mich zuhause zu melden ("Was geht ab alter, schreib mal einen Brief!") bin ich nach einem langen, etwas anstrengenden Tag um halb 7 beim Schreiben eingeschlafen...

2 Kommentare 18.3.12 16:33, kommentieren

Prelude

Tach!


Als ich kurz vor dem Vergnügen stand, in den einigen Mails, die zu schreiben sind und sein werden, immer wieder mehr oder weniger das Selbe zu erzählen, kam mir die Idee von einer Art Travelblog. So kann ich alles, was ich hier so erlebe, etwas ausführlicher beschreiben als ich dazu in E-Mails Lust hätte. Fast wie eine Postkarte schreiben und zehn Mal kopieren. Hallo, Wetter ist super, mir gehts gut.

Ich werde wohl nicht jeden Tag schreiben, aber mehrmals die Woche. Mal schauen, wie viel Zeit mir hier bleibt, wenn ich erstmal mit dem eigentlichen Praktikum begonnen hab. Meine Schultüte ist jedenfalls schon fertig. Soweit...

18.3.12 15:33, kommentieren